Die grüne Küche

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Von Blüten und … Geschmack

Endlich ist er da, der Frühling, und dann kommt gleich der Sommer. Ich kann mich kaum entscheiden, was mir lieber ist: das frische Grün des Frühlings oder die Blütenvielfalt des Sommers. Die Blütenvielfalt des Sommers, die uns bevorsteht, lädt dazu ein, mehr Farbe und Geschmack ins Essen zu bringen, ob scharf, fruchtig oder aromatisch.

Fest steht, das meiste davon sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch echt lecker. Erwähnte ich schon, dass ich großer Kräuter-Fan bin?

Jetzt kennen wir ja den Trend der vergangenen Jahre, die Unkräuter, die neudeutsch Bei- oder Wildkräuter heißen, wieder in unseren Speiseplan aufzunehmen. Für unser Wildkräuter-Pesto gehe ich durch den Garten und pflücke, was gerade so wächst: Pimpinelle, Borretsch, Sauerampfer, Spitzwegerich, Giersch, Vogelmiere, Schafgarbe… Das lieben unsere Gäste total und sie fragen auch gar nicht, ob das alles essbar ist. Interessant wird es, wenn wir unser Essen mit Blüten dekorieren: Diese kommen oft zu uns zurück – unangetastet. Wir fragen uns und auch die Gäste, weswegen sie die Blüten verschmäht hätten und bekommen dann zur Antwort: Die kann man essen? Wir dachten, Blüten könne man nicht essen. Was für ein Wirrwarr im Kopf das doch ist – die Blätter sind genießbar, aber die Blüten haben dann Giftstoffe entwickelt. Ich finde, es muss mehr Aufklärung her!

Ich möchte eine Biene sein

Das Schöne an Blüten ist ja oft, dass sie den Grundgeschmack der Pflanze haben, diesen aber mit ihren süßen Pollen verfeinern. Besonders ist mir das beim blühenden Rosmarin in Griechenland aufgefallen. Der Busch war voller Bienen und auch mich lockten die strahlend blauen kleinen Blüten magisch an. Als ich eine Blüte probierte, war ich hin und weg: Das harzige Rosmarin-Aroma war auf einmal süß aromatisch. Ich habe die Bienen voll verstanden! Die Blüten erinnerten mich an meine Kindheit, als wir die Blüten vom Flieder ausgesaugt haben und dann den süßen Geschmack im Mund hatten.

Rosmarinblüte, die überrascht. Der süß-harzige Geschmack ist viel milder als bei den Nadeln.
Rosmarinblüten – ein sehr zarter harziger Geschmack, der überrascht

Manchmal steht der Geschmack der Blüte dem der anderen Pflanzenteile in nichts nach: Die Blüte der Kapuzinerkresse hat auch etwas vom intensiven Kresse-Geschmack und sieht dabei so lieblich aus.

Bei einigen Blüten steht die Optik allerdings im Vordergrund, der Geschmack ist auch irgendwo da. Die Borretsch-Blüten haben wie die Blätter einen leichten Gurkengeschmack, bestechen aber durch ihre wunderschöne Blüte. Sie eignen sich perfekt, um sie in Eiswürfeln einzufrieren und an heißen Tagen damit ein Getränk zu verschönern.

Schnittlauchblüten haben den Geschmack von kleinen Zwiebeln und bringen so Geschmack und Farbe ins Essen
Schnittlauchblüte: Da steckt viel Lauch-Geschmack drin

Die Blüten vom Schnittlauch hingegen sind total intensiv, schmecken wie kleine Zwiebeln. Das macht sich hervorragend in Kräuterbutter oder -quark, der Farbtupfer im grünen Meer. Hierzu passen ebenso wunderbar die Blüten der Ringelblume mit ihrem zarten würzigen Aroma. Manche Blüten wie die der Kornblume würde ich eher wegen der tollen Farbe verwenden, denn der Geschmack ist für mich kaum wahrnehmbar.

Zarte Geschmackswucht

Ganz im Gegensatz zu den wunderbaren zarten Blüten des Thymians, wo je einzelne winzige Blüte solch eine Geschmacksintensität im Mund hinterlässt. Hier schmecke ich zudem den Unterschied der Sorten besonders gut heraus. Die Blüte des Bergamotte-Thymians hinterlässt als ersten Eindruck ein Bergamotte-Aroma, wie ich es vom Tee her kenne, anschließend kommt der Thymian-Geschmack hervor.

Thymianblüte - ob im Essen oder für Tee, ein vielfältiger Geschmack
Jede einzelne kleine Blüte des Thymians verursacht Geschmacksexplosionen

So kann ich mich durch die verschiedenen Thymianblüten probieren und werde jedes Mal überrascht. Vor allem mit den fruchtigen Varianten des Thymians würze ich auch Kuchen oder gebe sie zu frischen Tees hinzu.

Mit Farbe würzen

Jetzt komme ich zu meinen Lieblingsblüten, die so aromatisch sind, dass ich sie sehr oft verwende. Die Studentenblume, aber in ihrer kleinen zarten Version als Gewürztagetes ist einer meiner Favoriten. Die Blüten haben ein ganz intensives fruchtiges Aroma, das ein wenig an Mandarine erinnert, und passen besonders gut zu Obstsalaten, Joghurts oder auf Kuchen. Die Zum Glück blühen sie bis in den Herbst hinein. Gemeinsam mit Holunderbeeren habe ich ein Gelee gekocht, das einen ganz aromatischen Geschmack hatte; das hat wunderbar harmoniert. Und da es sie in gelb, orange und rot blühend gibt, habe ich immer eine bunte Auswahl.

Keine Angst vor Blüten: sie sehen schön aus und bringen viel Geschmack!
Gewürztagetes: sie sehen schön aus und bringen viel Geschmack!

Nicht, dass ich die Rosenblüten nicht schätzen würde, denn sie duften und schmecken und sehen toll aus, aber darüber schreibe ich beim nächsten Mal mehr. Denn derzeit blüht nur die Kartoffelrose, die auch sehr gut zu verwenden ist, aber mit den anderen zusammen wird es interessanter.

Und die Bienen spielen natürlich auch eine Rolle und die dicken Hummeln erst…

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Thema von Anders Norén